{"id":2237,"date":"2022-11-10T03:37:02","date_gmt":"2022-11-10T03:37:02","guid":{"rendered":"http:\/\/democracyandreligion.com\/de\/uber\/?page_id=2237"},"modified":"2022-11-10T03:37:03","modified_gmt":"2022-11-10T03:37:03","slug":"papang-hidayat-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/democracyandreligion.com\/de\/uber\/de\/interview\/papang-hidayat-2\/","title":{"rendered":"Papang Hidayat"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"769\" src=\"http:\/\/democracyandreligion.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Papang-Hidayat-2.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2238 size-full\" srcset=\"http:\/\/democracyandreligion.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Papang-Hidayat-2.jpeg 1024w, http:\/\/democracyandreligion.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Papang-Hidayat-2-300x225.jpeg 300w, http:\/\/democracyandreligion.com\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Papang-Hidayat-2-768x577.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color has-normal-font-size\">Papang Hidayat ist ein unabh\u00e4ngiger Menschenrechtsberater und -forscher in Jakarta. Seinen Master-Abschluss in Human Rights Theory and Practice hat er an der Universit\u00e4t Essex (UK) absolviert. Als Menschenrechtsexperte hat er viele Jahre bei Amnesty International und der Kommission f\u00fcr Verschwundene Personen und Opfern von Gewalt (KontraS) gearbeitet. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf Forschung zu Menschenrechten, Demokratie und der Umgestaltung des Sicherheitssektors in der Region Indonesien und Timor-Leste.<\/h2>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" style=\"line-height:0\">Interview: Mona Behnke, Ronja Eberle<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" style=\"line-height:0\">\u00dcbersetzung: Mona Behnke<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Was ist Ihre erste Erinnerung in Verbindung zu Religion? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Religion ist obligatorisch und sehr wichtig in Indonesien. Auf dem Personalausweis (<em>Kartu Tanda Penduduk<\/em>) muss die Religion angegeben werden. Will man heiraten, will man zur Schule, will man Sozialhilfe, will man sp\u00e4ter beerdigt werden, \u00fcberall wird unsere Religion erfragt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Wann sind Sie das erste Mal mit anderen Religionen in Ber\u00fchrung gekommen?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meiner Kindheit bis zu meinem f\u00fcnften Lebensjahr, haben meine Eltern mich keine spezifische Religion gelehrt. Aber als ich im Alter von f\u00fcnf in die Vorschule gehen sollte, ist meine Mutter pl\u00f6tzlich zum Katholizismus konvertiert und ich wurde Katholik, sodass ich eine katholische Vorschule (einer Privatschule) besuchen konnte. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Was bedeutet Ihnen Religion?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist sie nicht besonders wichtig, aber in Indonesien, wo Religion im Moment in jedem Bereich zu einer Angelegenheit gemacht wird, kann ich nicht immer offen sagen, dass Religion nicht bedeutend ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Ist religi\u00f6se Bildung hilfreich f\u00fcr die Demokratie?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schwer, das zu generalisieren; ich habe hier unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen. Es kann hilfreich, aber auch destruktiv sein. Ich sehe, dass religi\u00f6se Bildung die Demokratie unterst\u00fctzen kann, etwa an religi\u00f6sen Schulen oder Universit\u00e4ten, welche Student*innen demokratische Prinzipien unterrichten. Auf der anderen Seite gibt es viele Schulen und Universit\u00e4ten mit einer religi\u00f6sen Identit\u00e4t, welche Inhalte unterrichten, die anti-demokratisch und gegen Menschenrechte sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. Was ist politische Bildung Ihrer Meinung nach?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Bildung, die integrative Werte von \u00f6ffentlichem Interesse priorisiert. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>6. Ist politische Bildung wichtig f\u00fcr die Demokratie? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist sehr wichtig, zumindest lehrt politische Bildung soziale Gleichheit f\u00fcr alle Menschen, unabh\u00e4ngig vom religi\u00f6sen Status eines jeden Einzelnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>7. Wie definieren Sie die indonesische Demokratie? Ist sie einzigartig, oder l\u00e4sst sie sich mit anderen Demokratien vergleichen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als erstes zeichnet sich die Demokratie in Indonesien dadurch aus, dass regul\u00e4re Wahlen stattfinden, dass das Viel-Parteien-Gesetz Anwendung findet, man eine Gewaltenteilung innerhalb der Institutionen hat, und es eine \u00f6ffentliche Beteiligung an der Regierung gibt. Das unterscheidet sich sehr von der Milit\u00e4rdiktatur der <em>Neuen Ordnung <\/em>(1966-1998). Ein wichtiger Grundstein in solch einer Demokratie ist die Gleichberechtigung von jedem Individuum, unabh\u00e4ngig von religi\u00f6ser Identit\u00e4t, Ethnizit\u00e4t, oder sozialem Status, was bis jetzt in Indonesien noch nicht verwirklicht wird. Personen mit bestimmten Attributen \u2013 so die Zugeh\u00f6rigkeit zu der Mehrheitsreligion, (famili\u00e4re) Verbindungen zu wichtigen Personen\/alten Politiker*innen, Mitglieder religi\u00f6ser Organisationen, religi\u00f6se F\u00fchrungspersonen, oder Mitglieder des Milit\u00e4rs \u2013 k\u00f6nnen in der politischen Welt Indonesiens weit mehr Kapital haben als normale Personen. Ich denke, dass sich das demokratische Modell nicht sehr von jenen anderer L\u00e4nder unterscheidet, die erst in den letzten Jahren eine Demokratie wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>8. Ist Religion in die Indonesische Identit\u00e4t eingeschrieben? Wenn ja, auf welche Weise? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie oben erw\u00e4hnt, gibt es auf dem Personalausweis (KTP) eine spezifische Kategorie daf\u00fcr, und in diversen Dokumenten des \u00d6ffentlichen Dienstes m\u00fcssen Leute ihre Religion angeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>9. Welche Entwicklungen haben Sie in den letzten zwei Jahrzehnten seit Beginn der Reformation beobachtet?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Welche Entwicklung besch\u00e4ftigt oder beunruhigt Sie? Generell hat die <em>Reformation<\/em> seit Mai 1998 viele Fortschritte f\u00fcr die Demokratie und die Achtung und den Schutz der Menschenrechte gebracht. Seit der <em>Reformation<\/em> 1998 haben jedoch auch Gruppen zugenommen, die auf der Grundlage einer engen Religionsauslegung f\u00fcr ihre politischen Ziele k\u00e4mpfen und zudem erfolgreich zu Amtstr\u00e4gern oder zu B\u00fcrgerwehren werden, die andere religi\u00f6se Minderheiten angreifen. Leider gewinnen sie an Einfluss, weil sie von vielen Menschen unterst\u00fctzt werden, die ebenfalls der Meinung sind, dass Religion in \u00f6ffentlichen Angelegenheiten \u2013 von der Politik \u00fcber die Gesellschaft bis hin zur Wirtschaft \u2013 eine wichtige Rolle spielen sollte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>10. Adressieren oder konfrontieren Sie diese Schwierigkeiten? Wenn ja, warum und wie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin seit 1998 im Kampf f\u00fcr &nbsp;Menschenrechte und Kampagnenarbeit in einer Menschenrechtsorganisation engagiert, und habe mich intensiv mit diesem Problem befasst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>11. Was sind die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen in Ihrer Arbeit? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Problem ist die wachsende Anzahl an intoleranten Personen. Da unsere Arbeit Menschen dazu ermutigen m\u00f6chte, tolerant zu werden, sind wir immer einen Schritt hinter der Bildung und den Kampagnen intoleranter Gruppen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>12. Warum ist eine aktive Beteiligung an der politischen Bildung wichtig? Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Aspekte, die damit verbunden sind? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Transformation des Bewusstseins ist grundlegend, oder das Fundament eines gesellschaftlichen Wandels. Die drei wichtigsten Aspekte sind: Zivile Bildung muss eine klare Zielgruppe haben (Jugendgruppen), innovative Methoden (Lernen am Ort des Geschehens und nicht nur im Klassenzimmer) und es sollte ein Koordinationsnetzwerk zwischen politischen Bildungsinitiativen geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>13. K\u00f6nnen Sie einen unvergesslichen Moment aus Ihrer Arbeit teilen, der Sie motiviert? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich bei KontraS arbeitete&nbsp; (2004-2012), habe ich 2009 einen Intensivlernkurs (3 Wochen) f\u00fcr Studierende ins Leben gerufen, wobei Teilnehmer*innen von Aceh bis Papua kamen, welche gender-gerecht vertreten waren, und von unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Religionen kamen (inklusive Atheist*innen). Bereits das 3-w\u00f6chige Programm zeigt au\u00dfergew\u00f6hnliche Wirkung. Einige der Alumni sind heute Menschenrechtsverteidiger*innen, und das Programm besteht bis heute bei KontraS.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papang Hidayat ist ein unabh\u00e4ngiger Menschenrechtsberater und -forscher in Jakarta. Seinen Master-Abschluss in Human Rights Theory and Practice hat er an der Universit\u00e4t Essex (UK) absolviert. 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